ECoS 50200

Der Umstieg von Analog auf Digital

Wer mit dem Gedanken spielt seine analoge Modelleisenbahn auf Digitalbetrieb umzustellen sollte einige Überlegungen anstrengen, damit aus dem Projekt kein Alptraum entsteht, sondern weiterhin Freude am Hobby und Spaß an den vielfältigen neuen Funktionen.

Ich habe in den letzten 10 Jahren mehrere hundert Lokomotiven umgerüstet, befreundeten Modellbahnern bei der Umstellung unterstützt, und selbst mehr als 10 Anlagen digitalisiert.

Da sich die Technik ständig ändert, lerne auch ich ständig neu dazu. Nichts desto trotz denke ich, dass ich hier in diesem Beitrag einiges an Informationen zusammentragen kann, welche zumindest die wichtigsten Überlegungen vor dem Start anstoßen.

Zunächst ein paar Grundlagen

Was bedeutet AC und DC? Was ist der Unterschied zwischen Wechselstrom und Gleichstrom?

AC / Wechselstrom: Bei einem Wechselstrom oder auch Wechselspannung genannt ändert sich die Polarität innerhalb einer Sekunde mehrfach. Diese Wechselfolge nennt man Frequenz. Je höher die Frequenz, desto öfter der Wechsel der Polarität innerhalb einer Sekunde.

Die Netzversorgung innerhalb Deutschlands aus der Steckdose kommt als Wechselspannung, mit einer Spannung von 230 Volt, und einer Frequenz 50 Hz (Hertz ausgesprochen). Innerhalb einer Sekunde kommt es zu 50 Wellenbewegungen in beide Richtungen. Das heißt die Polarität ändert sich innerhalb einer Sekunde 100 Mal.

Zum Vergleich: Das große Vorbild unserer Modellbahn verwendet 15.000 Volt bei einer Frequenz von 16 2/3 Hz, seit dem 16. Oktober 1995 12:00 Uhr wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit 16,7 Hz gefahren.

Der Vorteil von Wechselstrom besteht darin, dass er über weite Strecken verlustfreier transportiert werden kann, und die Spannung mittels Transformatoren relativ einfach geändert werden kann.

Der Nachteil besteht darin, dass (abgesehen von der Modellbahn) jedes Gerät im Haushalt intern meistens mit Gleichstrom betrieben wird. Also muss die Wechselspannung jedes Mal gleichgerichtet, also in eine Gleichspannung umgewandelt werden. Dies ist zwar prinzipiell sehr einfach, ist aber dennoch ein Kostenfaktor.

Da die Modellbahn aus Sicherheits- und Gründen der Vernunft nicht mit 230 Volt Netzspannung betrieben wird und betrieben werden darf, wird die Spannung mittels kombiniertem Transformator und Fahrregler auf maximal 16 Volt Wechselspannung (maximal 24 Volt für die Umschaltung der Fahrtrichtung) mit samt unseren 50 Hz (die Frequenz ändert sich hierbei nicht) heruntertransformiert.

Bei der Modellbahn macht sich der Hersteller Märklin die Wechselspannung dadurch zu Nutze, dass Reihenschlussmotoren, also Motoren welche direkt mit Wechselspannung betrieben werden, verwendet werden.

DC / Gleichstrom: Bei einem Gleichstrom oder auch Gleichspannung genannt ändert sich die Polarität nicht. Wir haben ständig einen Plus- und einen Minus-Pol.

Da die Netzversorgung innerhalb Deutschlands als Wechselspannung, mit einer Spannung von 230 Volt, und einer Frequenz 50 Hz (Hertz ausgesprochen) aus der Steckdose kommt, muss diese erst gleichgerichtet werden.
Der Nachteil, dass (abgesehen von der Modellbahn) jedes Gerät im Haushalt intern meistens mit Gleichstrom betrieben wird greift also auch hier. Also muss die Wechselspannung jedes Mal gleichgerichtet, also in eine Gleichspannung umgewandelt werden. Dies ist zwar prinzipiell sehr einfach, ist aber dennoch ein Kostenfaktor.

Da die Modellbahn aus Sicherheits- und Gründen der Vernunft nicht mit 230 Volt Netzspannung betrieben wird und betrieben werden darf, wird die Spannung mittels kombiniertem Transformator und Fahrregler sowie einem Gleichrichter heruntertransformiert und gleichgerichtet, sodass eine regelbare Gleichspannung zur Verfügung steht.

Hersteller von DC-Systemen nutzen Gleichspannungsmotoren. Diese Motoren gibt es in den unterschiedlichsten Variationen, Bauformen und Größen am Markt, sodass die Hersteller von Triebfahrzeugen auf eine breite Palette an Motoren zurückgreifen können ohne selbst welche entwickeln oder produzieren zu müssen. Dies wirkt sich dann auch auf den Preis aus. Dies alleine ist schon ein großer Vorteil. Technisch kommt noch die Tatsache hinzu das kein FRU benötigt wird. Und auch das wirkt sich wieder positiv auf den Preis aus.

Übrigens: DC-Motoren wurden in einigen analogen Modellen auch von Märklin eingesetzt. Hierzu wurde dann eine spezielle Regelelektronik eingebaut. Prominentestes Beispiel ist hier die BR 18.1 (württembergische C), diese hat einen Glockenankermotor.

 

Auf dem Bild sehen wir die grüne Welle, diese zeigt eine Wechselspannung. Die Berge nach oben sind die positiven Ausschläge, die "Berge" nach unten die negativen. Der Wechsel der Polarität ist schön zu sehen. Die gelbe Linie zeigt eine Gleichspannung. Diese ist kontinuierlich, und verändert sich nicht.
Gleichstrom und Wechselstrom

 

Was haben die Gleise mit AC / DC / Analog / Digital zu tun?

Kurze Antwort: rein Garnichts! Den Gleisen an sich ist es egal, und es hat technisch gesehen auch keine Relevanz.
Entscheidend ist hier die Stromaufnahmeart der Lokomotive oder des beleuchteten Waggons.

Grundsätzlich gibt es 2-Leiter und 3-Leiter (Punkt-Kontakt, Mittelleiter von Märklin) Gleise. Der Glaube das man auf Märklin-Gleisen nur mit Wechselstrom fahren kann ist ebenso weit verbreitet wie der Glaube, dass man auf Märklin-M-Gleisen nur analog fahren kann.

Beim 2-Leiter-Gleis wird die eine Schienenseite mit dem Plus-Pol, die andere mit dem Minus-Pol versorgt. Daher wird hier dann von 2-Leiter DC gesprochen. Die Spannung wird mittels Radschleifer aufgenommen. Die Radsätze sind gegeneinander isoliert, sodass es zu keinem Kurzschluss kommt. Setzt man eine Wechselstrom, also AC-Lok, auf solch ein Gleis, gibt es einen Kurzschluss, da die Räder und Achsen einer AC-Lok alle elektrisch mit dem Lokgehäuse verbunden sind.

Beim 3-Leiter-Gleis werden die beiden Schienen als Masse bezeichnet. Dies ist technisch gesehen falsch, da es Masse (hier liegt in der Regel der Minus-Pol) bei Wechselspannung nicht gibt. Der Mittelleiter wird als Fahrstrom führender Leiter bezeichnet. Dieser wird mittels Ski-Schleifer unter der Lok abgenommen. Setzt man eine Gleichstrom, also DC-Lok, auf so ein Gleis passiert…..nichts. Da die Schienen dasselbe Potential haben. Die Lok würde so aber auch nicht funktionieren.

Um nun etwas Verwirrung zu stiften, es gibt auch 3-leiter DC-Fahrer. Hier sind die Schienen tatsächlich mit Masse, also dem Minus-Pol versorgt, und der Mittelleiter mit dem Plus-Pol.

Zusammenfassend ist hier zu sagen, dass das Gleissystem hier eine rein elektromechanische Bedeutung hat. Die Art der Spannung, oder die Signalart ist hier völlig irrelevant.

Auf Sinn- oder Unsinn, sowie die Vor- und Nachteile der jeweiligen Gleissysteme will ich hier nicht näher eingehen, da es für die Thematik analog oder digital uninteressant ist.

Was ist denn der Unterschied zwischen Analog und Digital?

Analogbetrieb: Bei der analog betriebenen Modelleisenbahn liegt im Ruhezustand, es fährt also keine Lok, keinerlei Strom an den Gleisen an. Möchte man eine Lok in Bewegung setzen wird mittels Fahrregler Strom auf die Gleise gegeben. Je mehr Strom, desto schneller die Lok, und desto heller das Licht von Loks und Waggons. Hier wird auch noch zwischen AC (Wechselstrom, i.d.R. Märklin 3-Leiter-Gleise) und DC (Gleichstrom, i.d.R. 2-Leiter Gleise diverser Hersteller) unterschieden.

Um die Fahrtrichtung der Lok zu ändern wird beim AC-System mittels Überspannungsimpuls ein Fahrtrichtungsumschalter, kurz FRU, ein Relais oder elektronischer Umschalter betätigt. Dadurch wird auch die Spitzenbeleuchtung umgeschaltet. Beim DC-System wird einfach die Polarität des Schienensignals gedreht. Der Wechsel der Spitzenbeleuchtung wird i.d.R. über Dioden (diese lassen den Strom je nach Polarität nur in eine Richtung fließen) realisiert.

Das „Problem“ am analogen System, egal ob AC oder DC ist die Tatsache, dass sich pro Gleisabschnitt nur eine Lok separat steuern lässt. Würde eine zweite Lok auf diesem Abschnitt stehen, würde sie ebenfalls losfahren.

Digitalbetrieb: Bei der digital betriebenen Modelleisenbahn liegt auch im Ruhezustand, es fährt also keine Lok, Strom an den Gleisen an. Dies hat den Vorteil, dass Wagen auch im Stillstand beleuchtet sind, und die Stirnlampen der digitalen Loks an sind. Dieser Strom enthält aber neben der Spannung an sich auch Datensignale in verschiedenen Formen, sogenannten Protokollen, je nach Hersteller und System. Dazu später mehr.

Aber warum donnern die Loks nun nicht los? Ganz einfach, weil sie schlau sind.

Die Loks tragen ein Stück intelligente Elektronik in sich, den so genannten Decoder. Diese erhalten um selbst funktionieren zu können die Spannung vom Gleis. Parallel dazu „lesen“ sie aber auch die Datensignale. Diese enthalten Informationen darüber, welche Lok sich wie schnell und in welche Richtung bewegen soll oder ob und welche Funktion wie zum Beispiel Sound oder Rauch aktiv sein soll.

Decoder gibt es von den unterschiedlichsten Herstellern, in den unterschiedlichsten Bauformen und unterschiedlichsten Protokollen. Es gibt hier einen wahren Dschungel an Variationen. Gleich vorweg: Es gibt weder den besten Decoder, noch die beste Bauform, noch den besten Hersteller oder Protokoll. Hier fließen viele Faktoren in die Entscheidung der verwendeten Hardware oder des Systems ein.

Ein paar Merkmale und Themen sollen hier dennoch aufgeführt werden.

Schnittstellen

Decoder können entweder fest verdrahtet, oder in streckbare Vorrichtungen eingebaut werden. Steckbare Varianten haben den Vorteil, dass sie zu Wartungs- Mess- oder Reparaturzwecken einfach abgezogen werden können. Hier spricht man dann von einer Schnittstelle. Hierfür werden wir von den Herstellern bereits mit einer nicht zu unterschätzenden Vielfalt an Typen überhäuft. Immerhin sind die Schnittstellen an sich in der NEM (Normen Europäischer Modellbahnen) festgelegt.
Gängig wären hier die Schnittstellen nach NEM 651, 652 (6- und 8-Polig), NEM 658 (PluX 12, 16, 22-Polig), NEM 660 (21-Polig, auch mtc21 genannt) und die NEM 662 (Next 18, Next 18S). Weitere Infos zu den Schnittstellen und auch anderen Normen rund um die Modelleisenbahn gibt es hier: https://www.morop.eu/index.php/de/nem-normen.html

Decoder auf einer 21mtc Schnittstelle
Decoder auf einer 21mtc Schnittstelle

Protokolle

In den Protokollen wird festgelegt wie und in welcher Form die Daten übertragen werden. Hier hält sich die Vielfalt zwar in Grenzen, dennoch gibt es einiges zu beachten. Gängig sind die folgenden Protokolle:
Motorola I (80 Adressen, 14 Fahrstufen, 1 Funktion + Licht)
Motorola II (255 Adressen, 27 Fahrstufen, 4 Funktionen + Licht)
MFX® (16.384 Adressen, 128 Fahrstufen, 16 Funktionen + Licht, Automatische Anmeldung von Loks an der Zentrale)
MFX®+ (Erweiterung von Märklin um Spielewelt-Funktionen, Bis zu 32 Funktionen + Licht)
M4® (So heißt das Protokoll bei ESU®, es entspricht dem Standard MFX®-Protokoll von Märklin)
Fx (Ist kein Protokoll, sondern nur eine Bezeichnung von Märklin für programmierbare Decoder)
DELTA (Ist kein Protokoll, sondern eine spezielle Decoderbauart von Märklin)
DCC (Offener Standard vieler Hersteller, 127 bzw. 10.243 Adressen, 28 bzw. 128 Fahrstufen)
RailCom® (Ist kein Protokoll, sondern eine Erweiterung von DCC zur Rückmeldung von Decodern)
Neben diesen gibt es noch weitere wie zum Beispiel Selectrix und Fleischmann FMZ. Wichtig: Märklin-MFX-Decoder verstehen auch immer das Motorola-Protokoll, und können somit (mit Einschränkungen) auch mit alten, oder Nicht-MFX-Zentralen gefahren werden.

Super, und welches Protokoll ist nun das richtige?

Jetzt kommt der Haken. Hierfür muss man sich mehr oder weniger, und am besten vorab schon entscheiden.
Die Entscheidung basiert auf der Grundlage welche digitale Steuerung man verwendet, bzw. verwenden will.
Wer so viele Protokolle, und somit unter anderem auch so viele Hersteller wie möglich nutzen will, sollte sich für eine Multiprotokoll-Zentrale entscheiden, welche wenigstens Motorola, MFX und DCC unterstützt.

Derzeit (Stand August 2017) gibt es theoretisch nur drei Auswahlmöglichkeiten: Märklins Central Station 3, die Märklin Mobile Station 2 (ohne Spielewelt) oder die ESU ECoS (ohne Spielewelt). Diese Unterstützen neben DCC und Motorola auch Märklins MFX-Protokoll.

Wer sich ausschließlich für die Märklin-Welt inklusive Spielewelt fasziniert, sollte eine Central Station (ab Version 2), oder mindestens eine Mobile Station 2 aus dem Hause Märklin verwenden.

Wer gänzlich auf Fahrzeuge von Märklin verzichten möchte, DC-Digital-Bahner ist oder schon aus Prinzip den offenen DCC-Standard verwenden möchte, der kann sich getrost aus einer Vielzahl von reinen DCC, oder DCC + Motorola Zentralen die passende für sich selbst aussuchen.

Ich selbst bezeichne mich da eher als Ausreißer, da ich eine Roco Z21 Zentrale benutze. Diese unterstützt Motorola I + II sowie DCC. Allerdings habe ich fast ausschließlich Märklin-Loks. Viele davon habe ich selbst umgebaut, sodass diese über Multiprotokolldecoder verfügen. Das heißt, dass diese verbauten Decoder mehrere Protokolle verstehen. Trotz der Tatsache dass es Märklin-Decoder sind, verstehen diese unter anderem auch DCC, das von mir bevorzugte Protokoll.

Meine Loks mit Märklin-Werksdecoder steuere ich mittels Folgeadressen oder per PC. Siehe hierzu meinen Artikel: Erweiterte Motorola-Adressen bei MFX-Decodern. Hier habe ich mal vier Zentralen vorgestellt: Digitalzentralen

Fazit

Der Umstieg von analog auf digital wird einem nicht wirklich leichtgemacht, und ist bei einem größeren Fuhrpark auch immens teuer. Neben der Anschaffung der Zentrale ist ja auch die Umrüstung der Loks mit Kosten verbunden, im Schnitt, je nach Ausstattung zwischen 40 und 140 Euro.
Im Folgenden habe ich eine Checkliste erstellt, welche eventuell hilfreich sein könnte, aber meine persönliche Meinung darstellt. Hier muss jeder selbst abwägen!

Bestandsaufnahme

Welches System benutze ich derzeit?

Szenario 1: AC-Dreileiter, also klassisch Märklin, Anlage samt Gleisen und Fuhrpark vorhanden.

Ein Wechsel auf ein anderes System kommt rein aus Kostengründen schon nicht in Frage, außer man will sich gezielt von Märklin trennen, oder die Anlage wird ohnehin abgerissen, und die Gleise sind marode.

Wie viele Loks habe ich? Was sind sie aktuell bei einem Verkauf Wert? Hänge ich an meinen Loks?
Nach meiner Auffassung wird es ab 10 Loks eng, da der Verlust beim Verkauf schon zu groß wird. Wenn ich dann noch an meinen Loks hänge, weil sie vielleicht aus meiner Kindheit stammen, oder Erbstücke sind hat sich das Thema Verkauf erledigt.

Eine Digitalumrüstung mit notwenigem Umbau auf einen DC-Motor (Im Digitalbetrieb Pflicht) bzw. Umrüstung auf DC-Tauglichkeit schlägt mit 40,- bis 140,- Euro pro Fahrzeug zu Buche.

Wenn das alles nicht zutrifft, und man tatsächlich umsteigen, oder sogar das System wechseln will, sollte alles Alte veräußern und direkt eine digitale Startpackung seines bevorzugten Systems erwerben.

Wer alles Alte erhalten, und digital ausbauen möchte steht gleich vor der nächsten Entscheidung. Dazu später mehr.

Szenario 2: DC-Zweileiter, Anlage samt Gleisen und Fuhrpark vorhanden.

Kein Unterschied zu Szenario 1. Auch die DC-Bahner stehen hier vor der selben Frage. ABER: die Digitalisierung von DC-Loks ist etwas günstiger, da kein Motorumbau notwendig ist.

Wie groß ist mein Fuhrpark?

Hier unterscheiden sich AC und DC Fahrer nicht. Hat man nur kleine Anlagen mit 3-5 Lokomotiven halten sich die Kosten für den Umbau der Fahrzeuge in Grenzen.

Es müssen ja auch nicht sofort alle Fahrzeuge umgebaut werden. Ideal wäre sogar ein Parallelbetrieb mit getrennten Stromkreisen. So kann man analog und digital fahren. ACHTUNG: Die Stromkreise müssen 100% galvanisch voneinander getrennt sein!

Bei mittleren Anlagen sieht die Sache anders aus. Nehmen wir mal eine mittlere Anlage mit 30 Loks. Nehmen wir mal kurz an, alles Märklin-Loks mit AC-Motor (also schlechtester, und teuerster Fall). Es sollen 10 Loks Sound erhalten, 20 nicht. Der Sound-Decoder zu je 90,- Euro, der Standard-Decoder zu je 30,- Euro und der Motor zu je 25,- Euro.

10 x 90,- Euro für Sounddecoder, also 900,- Euro
20 x 30,- Euro für Standarddecoder, also 600,- Euro
30 x 25,- Euro für den Motor, also 750, Euro

Macht eine Summe von sage und schreibe 2.250 Euro. Der Preis für die digitale Steuerung ist hier noch nicht enthalten! Im DC-Bereich reden wir da immerhin noch von 1.500,- Euro nur für die Umrüstung der Loks.

Wobei dies nur für H0 gilt. Bei kleineren Spuren wie N oder Z oder bei den großen Spuren werden gute Decoder teurer!

Nun gut, ich höre schön den Aufschrei der Billig-Decoder-Freunde. Es gibt auch Decoder für weniger Geld, Standard-Decoder gibt es bereits für 20,- Euro, und ja, man kann die alten Märklin-Motoren auch auf DC mittels Magnet umrüsten. Mit einer professionellen, nachhaltigen, werterhaltenden und mit wunderbaren Fahreigenschaften generierenden Umrüstung hat das aber nichts zu tun.

Bei großen Anlagen mit 100 oder mehr Loks brauche ich glaube ich nicht mehr groß vorrechnen. Ein normal verdienender Mensch kann sich das nicht leisten. Hier sollte definitiv beim Analog-Betrieb geblieben werden, oder die Variante mit dem Parallelbetrieb gewählt werden, was bei großen Anlagen sicherlich leichter zu realisieren ist.

Welche Loks kaufe ich zukünftig? Gebraucht? Analog?

Unterschiedlich. Es gibt durchaus Konstellationen bei welchen es günstiger ist eine gebrauchte analoge Lok zu erwerben, und dann mit moderner Technik auszustatten. Man hat dann eine Lok die in Punkto Fahreigenschaften und Ausstattung den aktuellen Kaufmodellen in nichts nachstehen.

Ein kleines Beispiel: Gebrauchte AC-Analog-Lok, sagen wir mal eine 41er aus einer Startpackung (Hat dann schon brünierte Räder, Kurzkupplung und einen Delta-Decoder, bekommt man oft schon für ca. 100,- Euro. Dazu ein Motor für 25,- Euro und einen Sounddecoder für 90,- Euro. Macht dann mit Kleinmaterial ca. 220,- Euro. Für 220,- Euro bekomme ich definitiv keine neue Lok dieser Bauart mit Sound. Hier lohnt es sich. Vor allem wenn einem die feinste Detaillierung der aktuellen Top-Modelle nicht so wichtig ist.

Ein Gegenbeispiel: Ich habe mir meine Märklin E94 gebraucht, aber in TOP-Zustand analog für 179,- Euro gekauft. Dazu ein Sound-Decoder für 90,- Euro und der Motor für 25,- Euro. Zuzüglich Kleinmaterial für Führerstands Beleuchtung knapp 300,- Euro. Hier sind wir nun im Grenzbereich angelangt. Für 399,- Euro bekomme ich ein aktuelles Modell inkl. Garantie.

Hier muss man also schon abwägen ob es sich finanziell lohnt. Eventuell gibt es vom gewünschten Modell auch kein aktuelles, dann hat man eh keine Wahl. Letzten Endes muss hier jeder seinen finanziellen Spielraum und seine persönlichen Bedürfnisse abwägen.

Welche Steuerung brauche ich?

Dies ist der Teil, in welchem uns die größte, teuerste und wichtigste Entscheidung ins Haus steht.
Leider ist diese Frage nur sehr schwer zu beantworten. Hier treffen finanzielles Budget, gewünschte Ausstattung und das Bedienkonzept aufeinander. Die Preise rangieren zwischen 100,- und 900,- Euro im H0-Bereich. Es kann aber auch noch deutlich höher gehen.

Auch ist wichtig zu wissen welche Datenprotokolle die Zentrale beherrschen muss, von welchen Eingangs die Rede war. Multiprotokollzentralen sind flexibel, aber auch teurer.

Man sollte sich zunächst für das Bedienkonzept entscheiden. Auch die Größe der Anlage spielt hier eine Rolle.

Das klassische Konzept mit Bedienknöpfen, Display (evt. Touch) und Fahrtreglern an der Steuerung selbst. Beispiele aus dieser Kategorie sind die Märklin Central Station 2, die ESU ECoS, Viessmann Commander oder die Intellibox von Uhlenbrock. Diese Zentralen verfügen über Loklisten, Programmiermöglichkeiten und eine Menüführung sowie die direkte Bedienung der wichtigsten Funktionen. Gleichzeitig dienen diese auch als Schnittstelle für Computerprogramme zur Steuerung der Modellbahn wie zum Beispiel iTrain, WinDigiPet oder TrainController.

Diese Zentralen sind meist teurer, da sie unter dem Strich nichts anderes enthalten als ein klassisches Notebook oder ein PC zu Hause. Teuer ist hier hauptsächlich das Display, vor allem wenn es ein Touch-Display ist.
Für „kleine“ Modellbahner prinzipiell kaum erschwinglich, und eigentlich auch nicht notwendig, da nur ein Bruchteil der Funktionen genutzt wird.

Es gibt hier allerdings einen kleinen Ausreißer den ich zwar nicht mag, aber dennoch rein sachlich und fachlich anführen muss: Die Märklin Mobile Station 2

Warum? Für knapp 150,- Euro, teilweise auch deutlich weniger wenn aus Startpackung, bekommt man eine Steuerung in die Hand welche äußerst einfach zu bedienen ist und folgende Kernfunktionen aufweist:

– Handregler mit 8 Funktionstasten und Fahrtregler
– Blau beleuchtetes Monochrom-Display
– Kann bis zu 20 Loks speichern, 11 davon direkt, bis zu 40 mit Zweitgerät
– Kann Weichen schalten (Motorola und DCC)
– Beherrscht das Motorola-, das MFX- und das DCC-Protokoll und bedient somit AC- und DC-Bahner (AC und DC ist hier nur exemplarisch für das verwendete System)
– Kann CVs programmieren
– Bringt bis zu 1,9 Ampere Strom aufs Gleis, das reicht für 2-3 Züge in gleichzeitiger Fahrt inklusive LED-Beleuchtung der Waggons

Mehr Zentrale bekommt man für dieses Geld nirgends! Aber warum mag ich das Ding nicht?

Ganz einfach, weil es „wachsende“ Modellbahner nach einer gewissen Zeit enttäuscht. 40 Loks hört sich gut an, aber es sind real eben nur 10 die pro Steuerung (max. 2) angezeigt werden können.

Das Programmieren von MFX-Decodern geht, wird aber durch Märklin so stark reglementiert, dass es nur umständlich möglich ist.

Wenn die Anlage wächst, wird das Schalten von Weichen zunehmend nervig kompliziert. Eine Schnittstelle zu anderen Systemen oder Computer ist nicht vorhanden.

Wer aber nur eine kleine Anlage und wenige Züge hat (unter 10) der kann in Grunde genommen nichts Besseres in Sachen Preis/Leistung kaufen. Auch wer keine Märklin-Fahrzeuge einsetzt ist hier dann bestens bedient.

Ein ganz anders Konzept verfolgen die „Black-Boxen“. Diese Zentralen haben keinerlei Steuer- und/oder Regelfunktionen am Gerät selbst. Dort sind nur Anschlüsse für externe Regler oder Schnittstellen zu diversen Systemen wie Rückmeldungen oder BUS-Systemen vorhanden.

Die eigentliche Steuerung erfolgt dann via App auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem PC mittels Modellbahnsoftware. Ein sehr gutes Beispiel hier sind unter anderem die Roco Z21 oder die Tams RedBox, wobei letztere keine direkte Netzwerk-Schnittstelle hat.

Der Vorteil dieser Geräte liegt meist darin, dass externe Fahrregler der unterschiedlichsten Hersteller angeschlossen werden können und die Bedienung mit Tablet oder App sehr komfortabel sind. Auch preislich ist das ganze natürlich relevant, wobei die Z21 mit knapp 400,- Euro auch nicht gerade günstig ist.

Der wohl größte Vorteil dieser Zentralen liegt aber darin, dass sie sehr flexibel auch Herstellerübergreifend erweiterbar und skalierbar sind. Dies ist vor allem für die Modellbahner interessant, welche noch nicht wissen wo die Reise hingeht und ob und wie schnell die Anlage wächst.

Was muss ich sonst noch beachten? Muss ich meine Anlage umbauen?

Ein paar Dinge sollte man beachten, und ja, ein paar Modifikationen sind an der Anlage durchzuführen.

Kann ich meine Weichen weiterhin analog schalten? Ich habe alles sauber verkabelt und mir ein Aufwendiges Stellpult gebastelt! Antwort: Aber natürlich. Es kann weiterhin analog geschaltet werden. Das Gerücht, dass die Verdrahtung beim Digitalbetrieb einfacher ist stimmt allerdings, da nicht über Stellpulte und Taster gefahren werden muss. Hier werden Magnetartikeldecoder verwendet. Die Antriebe werden dort direkt angeschlossen. Der Decoder an sich kann Strom aus dem Gleis oder aus separater Stromversorgung (empfehlenswert) beziehen, und schaltet damit die Antriebe. Der Decoder benötigt noch eine Verbindung zum Gleissignal um Schaltbefehle empfangen zu können.

Kann ich meine alten Signale weiterverwenden? Können die Signale weiterhin die Zugbeeinflussung übernehmen? Antwort: Ja, die Signale können weiterverwendet, und auch analog gestellt werden. Ich möchte allerdings von der Verwendung der Zugbeeinflussung abraten. Nicht dass es nicht ginge, es kann alles bleiben wie es ist, aber man hebelt damit die Vorteile der Digitaltechnik aus, hier zum Beispiel das die Wagen auch bei Stillstand weiter beleuchtet sind, und die Stirnlampen der Lok an bleiben. Auch können Kardan- und Schneckenantriebe durch das abrupte Stoppen der Lok Schaden nehmen.

Muss ich an der Verdrahtung meiner Gleise etwas ändern? Antwort: Eventuell. Das hängt davon ab wie die Anlage bisher verdrahtet war. Was die Versorgung der Gleisabschnitte betrifft, verhält es sich digital wie analog gleich. Bei größeren Anlagen sollte in gewissen Abständen eingespeist werden. Bei Mischbetrieb unbedingt auf die galvanische Trennung achten! Alle Fahrtransformatoren müssen entfernt werden. Beim Digitalbetrieb gibt es nur eine Zuleitung mit zwei Adern.

Thema gemeinsame Masse für Schiene und Licht, geht das? Antwort: Naja, prinzipiell schon. Hier müssen die Informationen des Herstellers der Digitalzentrale herangezogen werden. Ich persönlich halte nichts davon mehrere Strom- und Signalarten zu koppeln. Klar spart man sich pro Hausbeleuchtung sicherlich einiges an Drahtverhau, aber mir wäre es das Wert. Werden die digitalen Signale auf der Anlage gestört, kann es zu unvorhersehbarem Verhalten von Loks und Weichen kommen.

Früher hatte ich mehrere Trafos zur Versorgung der Anlage, wie ist das beim Digitalbetrieb? Antwort: Ähnlich, aber dennoch anders. Beim Digitalbetrieb werden auf größeren Anlagen sogenannte Booster eingesetzt. Diese versorgen dann die einzelnen Gleisabschnitte. Eingangsseitig werden die Booster je nach Bauart über eine Schnittstelle der Digitalzentrale, oder direkt an den Ausgang der selbigen angeschlossen. Es sollten auf einer Anlage immer Booster desselben Typs und des desselben Herstellers verwendet werden!

Reicht nicht auch eine starke Zentrale? Antwort: Nein. Das ist fachlich nicht wirklich vertretbar, und in gewisser Hinsicht ein Sicherheitsrisiko. Im Falle eines Kurzschlusses kann es auf Grund der dann zu hohen Stromstärke zu Kabelbränden oder sogar Schäden an Gleisen und Radsätzen kommen. Wenn man das so regeln will, sollte man mit großen Querschnitten (ab 2,5 mm²) arbeiten, mehrfach einspeisen und jede Einspeisung zum Beispiel mit einer Feinsicherung absichern. Digitalzentralen erkennen zwar Kurzschlüsse, aber der Schaden kann durchaus schneller sein. Mir wäre es das Risiko nicht Wert.