An der Front der Red Box gibt es zwei Taster für die Fahrstrom-Steuerung. An die beiden 8- und 6-Poligen Anschlüsse können Zusatzgeräte für die beiden unterstützten Bus-Systeme angeschlossen werden.

Tams Red Box Digitalzentrale

Aus reiner Neugier heraus hatte ich beschlossen die Tams Red Box zu beschaffen und zu testen.

Obgleich mir von vorne herein klar war, dass diese Zentrale niemals meinen Anforderungen gerecht werden würde, habe ich versucht das ganze so objektiv und sachlich emotionslos wie möglich zu betrachten.

Zunächst zu den wichtigsten technischen Daten:

Es gibt die Red Box in drei verschiedenen Versionen:

“Basic” mit 2 USB-Schnittstellen
“Booster” mit integriertem 2,5 A-Booster und mit 2 USB-Schnittstellen
“V24” mit einer USB- und einer seriellen Schnittstelle

Protokolle: Motorola I und II, m3 (M4/mfx) sowie DCC

Und hier beginnt bereits die erste Grätsche. Märklins MFX-Decoder, sowie auch die M4-Decoder (voll kompatibel zu Märklins MFX) von ESU sind mit der Tams-Zentrale nur bedingt einsetzbar.

Die Loks müssen mehr oder weniger kompliziert über die Software CV-Navi in die Zentrale hinein konfiguriert werden. Es erfolgt weder eine selbstständige Anmeldung, noch werden der Zentrale die möglichen Funktionen mitgeteilt. Ist die Lok angelegt lässt sie sich aber selbstverständlich steuern.

Eine Programmierung der MFX-Decoder ist ebenfalls nicht möglich. Nicht einmal die Anfahr- und Bremsverzögerung konnte ich mit der CV-Navi-Software einstellen.

Es bliebe also nur die Alternative die Loks als DCC-Lok anzulegen, was nicht alle Märklin-Loks können, oder sie als MM-II Lok zu betreiben. Letzteres hätte zur Folge das nur noch 27 Fahrstufen statt 126 zur Verfügung stehen, und auch nur 4 Funktionen (weitere über Folgeadressen) zur Verfügung stehen würden.

Das ginge auch nur wenn man zuvor das m3-Protokoll in der Red Box deaktiviert, da Märklin-Decoder sonst nur auf MFX-Signale reagieren. Ob das möglich ist, konnte ich keiner Anleitung entnehmen.

Für mich steht hier klar fest, das die Bezeichnung „m3“ irreführend ist, und das Produkt so nicht beworben werden sollte. Ein unerfahrener Modellbahner könnte daraus schließen, dass Märklin-MFX-Loks sich wie gewohnt anmelden und konfigurieren lassen. Dem ist nicht so!

Nun aber weiter zu den technischen Daten:

Stromversorgung: 12V / 200 mA mittels mitgeliefertem Steckernetzteil

Bei der Version mit Booster wird für den Booster selbst eine separate Stromversorgung benötigt:

16 – 18 Volt Wechselspannung oder 17 – 22 Volt Gleichspannung bei 2,5 Ampere.

Schnittstellen Systemgeräte: EasyNet (RJ 45) und XpressNet (RJ 12)

Schnittstellen Version “Basic” und Version “Booster”: USB-1 Typ Mini-B mit Tams-Kennung und USB-2 Typ B mit SiLabs-Kennung

Hier kommt schon die nächste Grätsche. Bei den USB-Schnittstellen gibt es wohl -je nach Anwendung- Probleme. Dazu müssen dann andere Treiber aus dem Netz geladen und installiert werden. Auch ist einem zunächst überhaupt nicht klar an welche USB-Schnittstelle was angeschlossen werden soll. Nur so viel, an die USB2 kommt der PC, und an die USB 1 kann ein Raspberry Pi angebunden werden. Damit soll es möglich sein, die Red Box per WLAN anzubinden, und über eine zusätzliche kostenpflichtige App via Handy oder Tablet zu steuern. Ich empfinde dieses Konstrukt als unnötig kompliziert. Hätte man der Zentrale direkt ein Ethernet-Interface integriert, könnte man auf zusätzliche externe Hardware verzichten.

So, jetzt mal ganz ehrlich: Eine Mitte 2016 erschienene neue Digitalzentrale ohne integrierte Netzwerkschnittstelle, weder LAN noch WLAN. Und das bei einem Preis zu 220,- Euro (Version mit Booster). Gehts noch? Wie in diversen Blogs zu entnehmen ist, wurde ja bei der Red Box angeblich aus Kostengründen auf die Integration eines Handreglers, Displays und Netzwerkports verzichtet. Schön, das würde ich durchaus akzeptieren. Allerdings muss der Preis dann auch deutlich sinken, und nicht dem der Vorgängerversion entsprechen.

Zum Vergleich: Eine Märklin Mobile Station II 60653 beherrscht MM/MFX (und zwar komplett)/DCC, hat einen Handregler und ein Display. Nun gut, die MS2 hat nur 1,9 Ampere Fahrstrom, keine USB-Schnittstelle und nur Kapazität für 20 Loks, aber selbige ist bereits für knapp 100,- Euro im Netz zu haben und kinderleicht zu bedienen. Auch kann sie um eine weitere ergänzt werden, und noch später, wenn die Anlage wächst an einer CS2/CS3 als Handregler betrieben werden.

Und weiter geht es mit den technischen Daten:

Maximale Anzahl von s88-Modulen: 52 s88 oder s88 kompatible Module (832 Kontakte)

Fahrzeugdecoder-Adressen: Motorola: 255 (1 – 255), DCC: 10.239 (1 – 10239), m3: 16384 (Hinweis von mir: Motorola I nur 80 Adressen)

Fahrstufen: Motorola: 14 oder 27 (a oder b), DCC: 14, 28 oder 128, m3: 128

Funktionen: Motorola: function, f1 bis f4, DCC: f0 bis f28 bzw. f32, m3: f0, f1 bis f14

Zubehördecoder-Adressen: Motorola: 1.020 (1 – 1.020), DCC: 2.040 (1 – 2.040), m3: Es gibt keine MFX Funktionsdecoder

Soweit zu den (wichtigsten) technischen Daten.

Nachdem ich meinen Fuhrpark in die Zentrale eingepflegt hatte, und meine Modellbahnsteuerung entsprechend um konfiguriert hatte, ging es dann mal an den Test mittels automatischem Fahrbetrieb. Während der Test anfangs sehr gut verlaufen war, traten dann im laufenden Betrieb Probleme mit den s88-Rückmeldungen auf. Es kamen ständig falsche Informationen bei iTrain an. Durch die Sicherungsfunktionen von iTrain kam es zum Glück zu keinem Crash.

Offen gesagt war es mir dann nicht mehr danach das Problem weiter zu analysieren. Ich habe seit Jahren vier s88-Module von LDT (RM-88-N). Diese verrichteten schon an diversen Zentralen zuverlässig ihren Dienst, und tun dies auch nach wie vor an einer Märklin 62015 CS2 oder meinem derzeitigen System, dem LDT HSI88 Interface nebst Roco Z21.

Da diese Falschmeldungen auch am s88 Monitor der Tams-Software (ohne iTrain) zu sehen waren sehe ich da als Fehlerquelle eher die Zentrale.

Weitere Tests der angepriesenen Funktionen habe ich mir dann verkniffen, und das Gerät wieder verpackt.

Natürlich wäre es schwachsinnig die Red Box mit einer CS2 zu vergleichen, aber ich hatte auch schon die Vorgängerversion, die Tams Master Control, und diese ziehe ich zum Vergleich her. Wobei man sich selbst da schwer tut, da die Ausstattung der Master Control doch ganz anders war. Ich hatte sie damals mit dem B4-Booster im Einsatz, und war sehr zufrieden.

Im Vergleich zur Tams Master Control, welche ja das ältere Produkt ist, ist an der Red Box sowohl der Fahrregler, als auch das Display verschwunden. Es sind lediglich USB-Schnittstellen hinzu gekommen. Der Preis hingegen ist gleich geblieben. Hätte man der Red Box wenigstens eine LAN-Schnittstelle spendiert, könnte man das mit dem fehlenden Regler verschmerzen.

Insgesamt sehr schade, da mich Produkte aus dem Hause Tams eigentlich immer überzeugen konnten.

Positiv:

– Die Verarbeitungsqualität ist gewohnt gut
– Umweltfreundliche Verpackung
– Anleitung auf CD (gefällt mir besser als der Papierkram)
– Stabiles Gleissignal
– Wärmeentwicklung trotz passiver Kühlung angemessen
– Kompakte Bauweise, benötigt sehr wenig Platz
– Verschiedene Ausführungen der Schnittstellen (V24, USB) somit auch unter Linux einsetzbar
– CV-Navi-Software ist leicht verständlich
– Es können auch Xpressnet-Geräte integriert werden
– Gute Softwarepflege (Updates)

Negativ:

– Nur bedingt taugliche m3/M4/MFX-Unterstützung
– s88-Rückmeldungen in meinem Testfall instabil
– Keine integrierte Netzwerkschnittstelle
– Einbindung von Funkreglern nur über Raspbery Pi + Zusatzapp (kostenpflichtig)
– Kein integrierter Fahrregler
– Kein integriertes Display
– Kein(e) USB-Kabel im Lieferumfang
– Keine Befestigungsmöglichkeit des Geräts
– Preis mit 220,- Euro für die Booster-Version fragwürdig

Mein Fazit:

Gut gemeint, leider nicht durchdacht. Für mich ist nicht wirklich nachvollziehbar wie die Zielgruppe für die Tams Red Box aussehen soll.

Der reine PC-Fahrer wird sich eher nach einer Netzwerkschnittstelle sehnen, um Betriebssystem unabhängig zu bleiben, und um mehrere Rechner (z.Bsp. PC und Notebook oder Tablet) einbinden zu können.

Wer eine kleine Anlage hat, wird eher eine Märklin Mobile Station oder eine z21 von Roco/Fleischmann kaufen, letztere hat auch eine Netzwerkschnittstelle und Apps.

Große Anlagen, welche meist nur noch mit dem PC gefahren werden können schreien ebenfalls nach einer Netzwerkschnittstelle.

Besten Falls noch Besitzer einer 6020/6021 mit dem PC-Interface 6015, aber die werden dann den Handregler und das Display vermissen. Es gibt zwar von Tams Zusatzgeräte womit diese eingebunden werden können, aber wozu? Wenn ich neu kaufe, dann mit dem was ich benötige.

Meiner Meinung nach ist der wichtigste fehlende Punkt die Netzwerkanbindung. Wäre die vorhanden, hätte man ähnlich viele Möglichkeiten wie zum Beispiel mit der Roco Z21 zu einem deutlich günstigeren Preis.

Es bleibt abzuwarten ob Tams hier “Fehler” erkennt.

Bilder: